Götterschatz – Philipp-Leon Mattes

Götterschatz – das ist der Titel des Erstlings von Philipp-Leon Mattes. Und exklusiv für euch gibt es den Prolog des Romans, der noch im Entstehen ist 😉 ich werde euch natürlich über den Verlauf immer informieren und euch auf dem aktuellen Stand halten 😉

So, und nun hoffe ich, dass ihr den Prolog genießt =)

____

Prolog

 

Livia kniff die Augen zusammen und musterte konzentriert ihren Vater. Nicht, dass es besonders schwierig war, ihn zu erkennen. Seit die letzte Ernte besonders gut ausgefallen war, trug er nur noch die teuersten Gewänder. Mit der weißen Toga mit blutroter Borte hob er sich deutlich von den Männern ab, die um ihn herumstanden. Was kann dich diesmal dazu bringen, mich in die Stadt zu lassen?

„Du willst nach Vindolanda und überlegst, wie du den Herren rumkriegst, es dir zu erlauben.“ Mit einem breiten Grinsen kam Lars aus dem Porticus hervor.

Livia fuhr erschrocken herum. „Wie kommst du auf so was?“, fragte sie mit möglichst gleichgültiger Stimme den alten Diener. Lars, der von sich behauptet, seine Vorfahren seien etruskische Adlige, arbeitete schon sein ganzes Leben für ihre Familie.

„Weil es dir hier im Tal viel zu langweilig ist und deine Freunde alle schon die Erlaubnis haben, nach Vindolnada zu gehen.“

„Wahnsinn“, Livia war ehrlich beeindruckt, „wie hast du das so schnell erfahren?“

„Was sollten die Diener, Mägde und Sklaven sonst machen, als sich Neuigkeiten ihrer Herren erzählen?“

Livia nickte nur. Lars hatte ihr wieder einmal deutlich gezeigt, wie gut das Personal aller Villen über die Herren aller anderen Villen bescheid wusste. Vielleicht kann dieses Netzwerk einmal nützlich werden…

Vibius hatte den Bauern und Sklaven die nötigen Anweisungen gegeben und ging mit erhabener Miene zurück in die Villa. Als er an Livia und Lars vorbeikam, blieb er stehen und schaute sie abwechselnd erwartungsvoll an.

Schließlich brach Lars das Schweigen: „Es kam ein Brief von Marcus. Er möchte wissen, ob das Fest nächste Woche stattfindet.“

„Kann der immer nur ans Trinken denken?“, Vibius schüttelte den Kopf, „schicke ihm einen Boten, dass er sich keine Sorgen zu machen braucht. Ich habe seit letztem Mal dazugelernt und eine weitere Ladung Wein aus Gallien schicken lassen.“

Beim Gedanken an das Gelage, das ihr Vater mit seinen Veteranen Freunden im vergangenen Jahr veranstaltet hatte, wurde Livia übel. Die schon in die Jahre gekommenen Männer hatten zwei Wagenladungen Wein vernichtet, dazu dutzende Hähnchen gegessen und sich dann gemeinschaftlich erbrochen, um Platz für die nächste Portion zu schaffen. Die stolzen Legionäre des Kaisers! Wie konnten wir mit DIESEN ein Imperium erobern? Und wichtiger, wie können wir es mit solchen Säufern verteidigen? Livia entschied sich, darüber besser nicht weiter nachzudenken. Zumal sie ziemlich am Rand der Provinz Britannia wohnten.

„Seht, Herr, wir bekommen Besuch!“

Auf den ersten Blick war dieser Kommentar übertrieben, da nur ein einfach gekleideter Wanderer den Weg zwischen den Feldern entlang kam. Aber schon auf diese Distanz konnte man die Autorität und Macht förmlich spüren, die er ausstrahlte.

Vibius war beim Anblick des Fremden förmlich zur Salzsäule erstarrt. Mit starrem Blick murmelte er nach einiger Zeit schlicht: „Lass heute Abend einen weiteren Platz herrichten“

Dann machte er auf dem Absatz kehrt und stürmte zwischen den Säulen ins Innere seines Hauses.

 

„Ich möchte dir noch einmal für deine Gastfreundschaft danken. Ich hätte nicht erwartet, als einfacher Mann so bewirtet zu werden.“ Freundlich lächelnd betrachtete der Gast, der sich als Octavius Ninnius vorgestellt hatte, Livias Familie, die sich zum Abendessen versammelt hatte. „Auf dem Weg hierher habe ich deine Felder gesehen, die müssen dir einen schönen Ertrag einbringen! Um solche kann man dich nur beneiden!“

Livia konnte so schmeichelnde Reden nicht ausstehen. Sie hätte auch nicht gedacht, von diesem Mann, der so selbstbewusst auftrat, so etwas zu hören. Gespannt sah sie zu ihrem Vater. Normalerweise konnte er davon nicht genug hören. Doch Vibius starrte seinen Gast nur mit versteinerter Miene an. Die einzige Erklärung dafür wäre, dass sie sich kennen. Wobei sie sicher keine Freunde waren, oder es zumindest jetzt nicht mehr sind.

„Nun ja, ich hatte Glück. Zu der Eroberung dieser schönen Insel konnte ich einen Beitrag leisten. Von meiner Belohnung konnte ich mir das hier aufbauen. Es freut mich, dass es dir gefällt.“ Während er sprach lächelte Vibius. Aber Livia war sich sicher, dass die Worte mehr zu bedeuten hatten, was das Gesicht von Octavian zu bestätigen schien. Auch dieser lächelte noch, machte aber eher den Eindruck, als hätte Vibius ihn geschlagen.

„Das muss wohl ein gewaltiger Beitrag gewesen sein, dass er dir so etwas einbrachte“, vermutete der Gast.

„Würde ich nicht mal sagen. Ich konnte eine Gruppe von Barbaren besiegen, die uns einige Zeit Ärger gemacht hatte.“

„Wobei ich gehört habe, dass diese Barbaren recht tapfer gekämpft haben sollen.“

„Geschichten von Leuten, die in Tavernen ihre eigenen Taten größer machen wollen, als sie in Wirklichkeit waren. Wie können Krieger, die sich Lehm in die Haare schmieren, blau anmalen und nackt in den Kampf rennen, eine wirkliche Herausforderung sein?“

„Das hat der göttliche Caesar sicher auch gesagt“, lachte Octavius, „aber ich möchte mich nicht mit meinem Gastgeber streiten. Entschuldige. Ich habe übrigens noch nie eine Ente gegessen, die so gut schmeckte wie diese.“

„In einem kleinen See hier in der Nähe gibt es einige außerordentliche Exemplare. Ich lasse sie nur zu wichtigen Anlässen jagen.“

„Womit habe ich diese verdient?“

„Ich gebe gerne Menschen, die nicht so viel Erfolg hatten wie ich.“

Octavius wendete sich an Livia: „Du kannst auf so einen Vater stolz sein! Es gibt nicht viele Männer, die tapfere Legionäre und zugleich hilfsbereit sind.“

Livia war sich langsam sicher, dass die beiden mehr mit ihrem oberflächlichen Gerede meinten. Sie nahm sich vor, nach dem Essen ihren Vater darauf anzusprechen.

 

„Ach Livia“, sagte Vibius überraschend, als sie mit dem Essen fertig waren, „ich wollte dir schon seit einiger Zeit etwas sagen. Wir müssten so langsam über deine Zukunft sprechen, genauer, mit wem zusammen du diese Zukunft verbringst.“

Wären in diesem Moment keltische Krieger schreiend in die Villa gestürmt, Livia wäre nicht weniger erschrocken. Was um alles in der Welt war in ihren Vater gefahren?

Vibius schien ihren Schock nicht zu bemerken, sondern sprach ungerührt weiter. „Ich dachte da an Marius. Er ist klug, stark und könnte einen perfekten Legionär abgeben.“

„Ich werde bestimmt nicht Marius heiraten!“, stieß sie erschrocken hervor.

„Wenn ich sage, du heiratest ihn, dann heiratest du ihn“, die Stimme von Vibius schien zu zittern, nur mit Mühe schien er sich beherrschen zu können.

„Natürlich, wir waren auch schon immer wie füreinander bestimmt.“

Vibius schien den Sarkasmus nicht verstanden zu haben. „Genau das seid ihr! Und jetzt Schluss mit Widersprechen!“

Livia hatte ihren Vater noch nie so erlebt. Ihr Magen begann zu schmerzen, als sie an die Zukunft dachte, die er für sie vorsah. Aber trotz allem entschied sie sich, ihn in dieser Stimmung nicht weiter aufzuregen.

 

„Ich kann nicht glauben, dass er so etwas von dir verlangt“, Julia hörte sich genau so erschrocken an wie Livia letzten Abend.

„Als ich widersprochen habe, wurde er sofort wütend. Ich meine richtig wütend, so habe ich ihn noch nie erlebt. Was kann ich nur machen?“, Livia war noch immer erschüttert. Mit anhaltendem Bauchweh hatte sie sich am Morgen mit ihren Freunden getroffen um ihnen die Neuigkeiten zu berichten.

„Ich glaube kaum, dass Marius glücklicher darüber ist. Ihr habt euch noch nie verstanden und bisher hast du die meisten Diskussionen für dich entschieden. Er wird wahrscheinlich freiwillig ans andere Ende der Welt ziehen, nur um dich nicht heiraten zu müssen.“ Fabius versuchte sie etwas aufzuheitern.

Livia dachte nach. Letzten Endes hatte der Pater Familias, alle Macht im Haus und was er sagt, muss getan werden. Da Vibius nun mal dieser Herr des Hauses war, hatte er dieses Recht. Vielleicht könnte ich abhauen und irgendwo in einer größeren Stadt wohnen, wo mich niemand kennt.

„Ihr hattet Besuch?“, Julia deutete auf Octavius, der gerade das Haus verließ, offensichtlich um seine Reise fortzusetzen.

„Ach so, ja. Der kam gestern und suchte eine Unterkunft, für die Nacht.“ Livia hatte andere Sorgen, als sich um diesen seltsamen Mann zu kümmern. Ihre Laune sank tiefer, als sie ohnehin schon war, als sie sah, dass Octavius auf sie zukam.

„Ich wollte mich von dir verabschieden“, erklärte er, wobei er die anderen Jugendlichen abschätzend betrachtete. „Ich wollte dich nicht stören. Mir hat der vergangene Abend wirklich gut gefallen, es war mir eine Ehre, mit einem richtigen Helden aus dem letzten Feldzug an einem Tisch zu sitzen. Wer hätte das gedacht! Auf so jemanden trifft man nicht alle Tage.“

„In diesem Tal schon, in allen Villen hier wohnen Veteranen, die bei der Eroberung dabei waren“, erklärte Fabius stolz.

„Ehrlich? Wie kam es, dass so viele hier an diesem Ort wohnen?“

„Sie waren alle in der selben Kohorte. Da sie irgendetwas Wichtiges getan haben, wurden sie reich belohnt und konnten sich das Land hier kaufen.“

Was die Väter getan hatten, wusste niemand. Livia hatte mit den anderen schon oft darüber gerätselt aber sie kamen nicht dahinter, denn Vibius und seine Freunde verrieten nichts, sondern machten nur Andeutungen.

„Was für eine Ehre, durch so ein Tal zu kommen. Aber nun muss ich weiter. Grüßt eure Väter von mir“, Octavius lächelte Livia noch einmal kurz freundlich an und ging dann den Weg in Richtung Wald davon.

„Der ist schon ein bisschen seltsam“, kommentierte Quintus nachdenklich, als sie dem Wanderer nachblickten.

 

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