Gastrezension von Philipp Léon Mattes zu: Die Elfen von Bernhard Hennen

Nachdem sich Markus Heitz und Stan Nichols schon mit großem Erfolg der Zwerge und der Orks angenommen haben, widmen sich Bernhard Hennen und James Sullivan nun einer dritten Spezies, die nicht aus der Fantasy wegzudenken ist: den Elfen. Von allen Wesen, die herkömmliche Fantasywelten bevölkern, sind die Elfen die geheimnisvollsten und unnahbarsten. Sie scheinen dem Traum des Menschen nach ewiger Jugend und Schönheit entsprungen zu sein. Doch haftet ihnen auch ein Hauch von Tragik und Vergänglichkeit an.

Diese Elemente nutzen Hennen und Sullivan für ihren 900-Seiten-Schmöker Die Elfen, der den Leser unterhaltsam durch ein Universum bekannter Klischees und neuer Einfälle führt. Die Elfenwelt wird von einem Dämon bedroht. Die beiden Elfen Nuramon und Farodin, denen sich der Nordländer Mandred aus der Menschenwelt anschließt, ziehen gegen das Ungeheuer zu Felde. Doch vor allen Dingen suchen sie nach einem Weg, ihre gemeinsame Geliebte, die Zauberin Noroelle, zu befreien, die Opfer des Dämons geworden ist und auf ewig in eine triste Parallelwelt verbannt wurde. Verzweifelt stürzen sie sich ins Abenteuer und versuchen, sie zurückzuholen. Dabei wird so manches Geheimnis gelüftet, eine Schlacht geschlagen und das Schicksal der Elfenwelt besiegelt.

 

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Für mich waren die Elfen immer das kitschigste aller Fantasyvölker. Als ich das Buch begann, hatte ich Angst, dass dieses Vorurteil bestätigt wird. Doch zum Glück, wurde ich eines besseren belehrt. Nicht, dass es keine kitschig-romantischen Stellen in dem Buch gibt. Aber bei über 900 Seiten, kann man diese schon verkraften. Im Gegenteil hatte ich manchmal den Eindruck, dass der Autor mit diesen Klischees spielt. So ruft z.B. ein Elfenoffizier vor der entscheidenden Schlacht seinen Männern zu, sie sollen sich ein Beispiel an dem tapferen und selbstlosen Einsatz der Blütenfeen nehmen.

Vor allem bei den Stellen, bei denen Nuramon und Farodin um ihre „Minneherrin“ freien, tritt Kitsch und Romantik, offen zu tage. 20 Jahre lang, versuchen die beiden schon, die Gunst von Noroelle für sich zu gewinnen. Was man davon halten soll, sei jedem selbst überlassen.

Übrigens wird Noroelle wirklich als Minneherrin bezeichnet, was zu dem Schreibstil von Hennen passt. Denn der ganze Roman ist in einer eher „altertümlichen“ Sprache geschrieben, an die man sich erst gewöhnen muss.

Abgesehen davon ist der Roman wirklich sehr gut gelungen! Die Charaktere sind vielschichtig angelegt und machen in der ziemlich langen Geschichte einige Veränderungen durch. Mandred, der Mensch in der Gruppe, sorgt für den nötigen Humor. Zugleich ist er aber auch ein Mann, dem das Schicksal mehr als einmal übel mitspielt. Nuramon muss mit der Schande leben, zu oft wiedergeboren zu sein, was zeigt, dass er es nicht schafft, sein Lebensziel zu finden. In der elfischen Gesellschaft wird das als große Schwäche angesehen. Erst im Laufe der Abenteuer, die er mit seinen beiden Freunden erlebt, findet er Vertrauen in sich selbst. Farodin dagegen ist unter den Elfen bereits eine lebende Legende. Trotz der veralteten Traditionen, wie der mittelalterlichen Minne, oder der (fast) unumstößlichen Treue zur Königin, konnte ich mich sehr gut in die Charaktere hineinversetzen. Abwechselnd wird aus der sicht von Farodin, Nuramon und Mandred erzählt, dadurch, dass die Charaktere sehr verschieden sind, wird ein Ereignis dadurch unterschiedlich beschrieben und bewertet.

Bernhard Hennen hat es geschafft, die Spannung in diesem dicken Buch nie abreißen zu lassen. Ein Abenteuer folgte auf das nächste, auch gibt es genügend Wendungen, so dass man nie wirklich sagen kann, wie es ausgeht.

 

Fazit: Meiner Meinung nach hätte das Buch durchaus länger sein können. Denn trotz aller Schwächen ist es ein wirklich sehr guter Roman, bei dem Spannung, Action aber auch Liebe und Romantik nicht zu kurz kommen.

 

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